Der Masterkey – Rockstar-Seele und Manager-Hirn
Er ist einfach Dominik: Der Typ, der zufällig in ein nhow-Hotel stolperte und heute das Haus als Music Manager mit Leidenschaft prägt. „Ich kann nicht aus meiner Haut“ sagt er – kompromisslos echt auf der Bühne und überhaupt. Bei sich bleiben ist sein Credo. Ein Song wie „I love you“ klingt bei Michael Jackson anders als bei Eminem, weil jeder seine eigene Geschichte mitbringt. Er denkt viel über Leben, Liebe und Sinn nach, fast schon spirituell. Seine innere Flamme treibt ihn an – Grauzone ist sein Unwort.

Magisch ungeplant – nicht warten, sondern machen
Berlin. Dominik Trampf (38) ist Musiker und seit über einem Jahrzehnt der Music Manager im nhow Berlin. Sein Weg dorthin: purer Trampf‘scher Flow. Er wollte einfach nur „irgendwas mit Musik“ machen. Eine Ausbildung zum Kaufmann für audiovisuelle Medien führte ihn zu René Rennefeld ins legendäre Hansa Tonstudio. 2010 baute dieser das Studio im gerade entstehenden nhow. Dominik klopfte an, fragte nach – und war drin. Drei Jahre duales Studium, drei Jahre Vollgas: Er übernahm alles, was irgendwie mit Sound zu tun hatte.
Externe Versuche, die Musikabteilung anders zu besetzen, scheiterten. Trampf füllte die Rolle mit Leben. Seither verantwortet er das das komplette Programm: Kooperationen mit Gibson und Yamaha, Partnerschaften mit Flux FM, eigenen Shows und das jüngste Format Lobby Loco. Alles trägt seine Handschrift. Niederlagen? Gehören für ihn dazu. Lieber groß gewinnen oder krachend scheitern, als in der Grauzone hängen, wo nichts passiert. Und dennoch ist Dominik Trampf kein Hasardeur– er spielt hoch, aber nie ohne Netz.

Von der Kretschmer-Show zum TV-Durchbruch

Einer von Dominik Trampfs prägendsten Momente begann mit einer spontanen Anfrage – und endete im Fernsehen. Sein Freund Tim Parsiegla, heute sein Drummer, suchte Musiker für die jährliche Abschluss-Show von Guido Maria Kretschmer und bat Trampf, auch seine eigene Musik einzureichen. Ohne große Erwartungen tat er das – und wurde selbst als Showact gebucht. Mit schmaler Gage, aber viel Einfallsreichtum baute er seine Bühne: Instrumente, roter Anzug und lebensgroße Pappaufsteller seiner „Blaskapelle“ zum Album ›Mit Pauken und Trompeten‹.
Der Auftritt blieb nicht unbemerkt. Otto Steiner, Chef von Constantin Entertainment, empfahl ihn für das TV-Format des Comedians Chris Tall. Erste Gespräche liefen, dann Funkstille. Statt zu warten, handelte er: Flug nach Köln, Handy aus dem Flugmodus – SMS: „Sorry, können wir jetzt reden?“ Da stand er schon fast vor der Tür. Drei Staffeln lang pendelte er wöchentlich Berlin–Köln, spielte live vor Millionen und erlebte seinen „Wow-Moment“: „Du machst was – und es passiert was.“



Wie weit darf’s gehen?
Für Dominik Trampf liegt der Reiz seines Berufs als Music Manager in den kreativen Freiheiten, die er hier auslebt. Er kuratiert die Bühne, initiiert Kooperationen, präsentiert Newcomer wie Legenden und wenn das Studio leer ist, setzt er sich selbst ans Mischpult. Musik bleibt sein Feuer, aber er muss nicht dafür verbrennen.
Früher wollte er „der nächste Elvis“ sein. Heute kennt er auch die Schattenseiten dieses Traums und sucht nicht mehr das eine Ziel, sondern fragt sich: Wie verrückt darf es werden? Wie weit kann es gehen? „Wie weit“ trägt er sogar tätowiert auf seinen Füßen. Er hasst Grauzonen und feste Pläne, weil sie Grenzen setzen, die vielleicht gar nicht existieren.

Zu viel Fokus, sagt er offen, raubt der Kunst die Leichtigkeit. Deshalb hat er sich bewusst gegen ein Leben entschieden, in dem Musik allein wirtschaftlicher Druck bedeutet. Stattdessen nutzt er die Freiheiten des nhow: eigenes Studio, Bühne, Netzwerk – alles da, alles nutzbar. Eigene Songs entstehen ohne Existenzangst: „Wenn ich nur davon leben müsste, würde vielleicht die Leichtigkeit fehlen.“ Für Trampf ist das der sweet spot: Musik mit vollem Leben drumherum, nicht als Opfer obendrauf.
Lobby Loco – ein neues Kapitel
Trampf liebt den unsichtbaren Kontext: Er kennt die Geschichten hinter den Künstlern, nicht nur ihre Songs. Für ihn verwandelt das einen Auftritt in einen echten Moment. Er will Künstler sichtbarer machen und der Musikszene eine größere Plattform bieten. Der Schritt zum neuen Solo-Format bedeutete zugleich den schmerzlichen Abschied von der Music Night, einer über zehn Jahre lange Erfolgsgeschichte mit seinem Bruder Benjamin von Kiss FM. Drei Konzerte, drei Stile, freier Eintritt – ein monatliches Ritual. Routine statt Magie, irgendwann war die Geschichte auserzählt: „Ich wollte keine alten Songs zum zwanzigsten Mal spielen, nur weil sie funktionieren.“
Lobby Loco ist die konsequente Antwort: spontaner, interaktiver, digitaler – eine Mischung aus Inas Nacht, Rockpalast und Vivasion. Trampf bleibt voll präsent. In der Winterpause wird weiter am Konzept gefeilt – mehr Interaktion, mehr Musik, mehr Late Night. Kein Abschied, sondern Evolution: Wenn das Feuer kleiner wird, zündet er einfach ein größeres.



