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Trends, Prognosen, Strategien – Was kommt 2027?

Berlin. Wie werden wir 2027 leben, arbeiten und wirtschaften? Dieser Frage ging die ›Finom Conf: Trends & Plans‹ am 28. Oktober 2026 im Kino International nach. Rund 500 Selbstständige und Gründer sind der Einladung der Geschäftsbank Finom gefolgt. In jeweils 20 Minuten lieferten Vertreter von AWS, TikTok und Google sowie der Bundesbank Impulse rund um die sechs Zukunftsfelder: KI, Cybersecurity, Steuern, Wachstum, mentale Gesundheit und Evolution in der Arbeitswelt. Das kompakte Format bot Orientierung und fachliche Einblicke, zugleich aber auch eine starke Markenbühne. 

Einst Filmpalast der DDR, heute Tagungsort: Kino International als Veranstaltungsort der Finom Conf 2026
Einst Filmpalast der DDR, heute Tagungsort: Kino International als Veranstaltungsort der Finom Conf: Trends & Plans. Foto: Jana Kwiatkowski

Agenten bauen Agenten – Vom Chatbot zum digitalen Mitarbeiter

KI-Agenten sollen nicht mehr nur Antworten liefern, sondern Arbeit erledigen. „Ein Chatbot gibt dir das Rezept. Ein Agent kocht das Essen“, veranschaulichte Sebastian Storch von AWS (Amazon Web Services) den Entwicklungssprung. Während Chatbots auf Anfragen reagieren, können KI-Agenten Informationen auswerten, Entscheidungen vorbereiten und Aufgaben selbstständig ausführen. Ihr Einsatz reicht von Onboarding und Compliance bis zur Terminverwaltung in Arztpraxen. Start-ups gelten dabei als Vorreiter – sie testen neue Prozesse, bevor etablierte Unternehmen sie überhaupt denken. Ein Beispiel ist das Berliner Health-Scale-up ETERNO: Sein KI-Telefonassistent auf AWS-Cloud-Basis löst laut Storch bereits 80 Prozent der Patientenanfragen. Der Markt für agentische KI wird bis 2030 auf 56 Milliarden US-Dollar prognostiziert. Noch hinkt die Realität dem Hype hinterher: Nur 12 Prozent haben produktive Anwendungsfälle, 88 Prozent experimentieren noch.

Ab 2027 dürfte der Einsatz einzelner Spezialagenten vernetzten Systemen weichen, die über verschiedene Unternehmensanwendungen hinweg zusammenarbeiten. Langfristig sollen Agenten selbst Agenten entwickeln. Die Vision klingt nach KI für jedermann – so simpel wie Website-Baukästen. Doch zwischen einer überzeugenden Demonstration und einem verlässlich funktionierenden Produkt liegt ein erheblicher Aufwand: Zugriffsrechte, Datenschutz, Leitplanken – und ein Notausschalter.

Vortrag von Sebastian Storch (Startup Segment Leader, AWS Germany) über KI-Spezialagenten, Meta- und Sub-Agenten
Vom Chatbot zum Agenten: Sebastian Storch (Startup Segment Leader, AWS Germany) zur Entwicklung von Spezialagenten zu Meta- und Sub-Agenten. Foto: Jana Kwiatkowski

Produktion wird billig, Bedeutung teuer – Marketingökonomie 2027

„Menschen kaufen keine Objekte. Sie kaufen Bedeutung.“ Mit dieser These beschreibt Ksenia Barton von TikTok den Wandel im Marketing: Produktion wird spottbillig, die originäre Idee zum entscheidenden Vorteil. Konsumenten wollen mehr als nur Produkteigenschaften. Sie wollen Geschichten, Werte und den Beleg, dass sich jemand Gedanken gemacht hat. Laut Studien, auf die sich Barton beruft, schätzen Menschen, was erkennbar Mühe gekostet hat (Labor Illusion); KI-Massenware wirkt bequem und damit eher wertlos. Algorithmen optimieren gut. Agenten können die Umsetzung beschleunigen. Aber KI kann nicht automatisch beantworten, warum ein Produkt Menschen interessieren sollte. Das menschliche „Warum?“ bleibt ihnen (noch) verschlossen.

Künftig bedient Marketing zwei Adressaten: Verbraucher und KI-Agenten. Keyword-Optimierung allein genügt nicht mehr, denn Verbraucher verändern ihr Entscheidungsverhalten: Entdecken, Bewerten und Auswahl werden zunehmend delegiert. Weil KI-Modelle auch Informationen aus Foren, Rezensionen und Communities beziehen, entscheidet die kulturelle Verankerung einer Marke über ihre Sichtbarkeit. Plattformen wie Reddit, YouTube oder Trustpilot können dabei als eine Art „Lehrplan“ für KI-Systeme dienen. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, wie viele Inhalte sich produzieren lassen, sondern welche davon tatsächlich etwas bewegen.

Ksenia Barton (Head of Marketing, TikTok) über Markenbildung im KI-Zeitalter
Sinnstiftung im Fokus: Ksenia Barton (Head of Marketing, TikTok) über Markenbildung im Zeitalter digitaler Entscheidungs-Agenten. Foto: Jana Kwiatkowski

Year in Search – Vertrauen wird zum entscheidenden Faktor

Seit 2010 erzählt Google mit dem Kurzfilm ›Year in Search‹ die Geschichten hinter den Suchanfragen eines Jahres. Allen gemein ist: Hinter jeder Suche steht ein Mensch auf der Suche nach Orientierung. Nils Puhlmann und Jonnie Mayer von Google haben das veränderte Suchverhalten nachgezeichnet. Rund 15 Prozent der über 5 Billionen jährlichen Anfragen sind völlig neu. Statt starrer Begriffe wie „Zahnarzt Berlin“ fragen Nutzer komplexer und mit klarer Absicht – „Was“, „Wie“, „Erkläre“ und „Vergleiche“ gehören zu den häufigsten Einstiegen. Die Suche wird zum Dialog, der Website-Klick verliert an Bedeutung; es geht um Hilfe zur Entscheidung oder die Entscheidung selbst. Für Unternehmen verlagert sich der Fokus von bloßer Auffindbarkeit zur zitierfähigen Problemlösung: Wer Transparenz verweigert oder Kundenfragen nicht präzise beantwortet, wird von KI-Modellen schlicht übergangen.

In einer von KI geprägten Zukunft entscheidet Glaubwürdigkeit über den Markterfolg. KI kann Inhalte austauschbar skalieren, doch Vertrauen entsteht durch Menschen, nachvollziehbare Belege und echte Erfahrungen. Menschen folgen Menschen: Drei von vier YouTube-Zuschauern sehen ihren Creator als engen Freund. Die Leitlinie der beiden Experten für die kommenden Jahre lautet: „Automatisiere die Routine, aber nicht die Beziehung.“ In Schlüsselmomenten bleibt der Mensch das Premium-Feature. Unternehmen sollten deshalb die 20 wichtigsten Kundenfragen identifizieren und präzise beantworten. So können sie nicht nur gefunden werden, sondern zur Quelle werden, aus der KI zitiert.

Nils Puhlmann (li.) und Jonnie Mayer (Growth Experts, Google) zur veränderten Rolle von Suchmaschinen
Von der Suche zur Entscheidung: Nils Puhlmann (li.) und Jonnie Mayer (Growth Experts, Google) zur veränderten Rolle von Suchmaschinen und KI-Modellen bei der Anbieterwahl. Foto: Jana Kwiatkowski

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